Influenza A(H5N1)
 
Stand: 29.01.2018 
 
Achtung: Die nachfolgend aufgeführten Informationen beziehen sich nur auf den Subtyp A(H5N1). Angaben zu den Subtypen A(H5N6), A(H6N1), A(H7N9), A(H9N2) und A(H10N8) finden Sie hier: Informationen zur aviären Influenza A(H5N1):
Aktuelles zur aviären Influenza A(H5N1):  

Verbreitung der Influenza A H5N1):
a) Verbreitungsgebiet bei Vögeln:
Die Influenza A(H5N1) führte bis heute in den nachfolgenden Ländern zu Ausbrüchen bei Wildvögeln bzw. Hausgeflügel:
Asien: Afghanistan, Aserbaidschan, Bangladesch, Bhutan, China, Georgien, Indien, Indonesien, Irak, Iran, Israel mit den Palästinensischen Gebieten, Japan, Jordanien, Kambodscha, Kasachstan, Korea Nord, Korea Süd, Kuwait, Laos, Libanon, Malaysia, Mongolei, Nepal, Myanmar, Pakistan, Russland, Saudi-Arabien, Thailand, Türkei und Vietnam
Europa: Albanien, Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Italien, Kroatien, Niederlande, Österreich, Polen, Rumänien, Russland, Schweden, Schweiz, Serbien und Montenegro, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Türkei, Ukraine, Ungarn, Zypern (türkischer Teil)
Afrika: Ägypten, Äthiopien, Benin, Burkina Faso, Côte d'Ivoire, Dschibuti, Ghana, Kamerun, Libyen, Niger, Nigeria, Togo, Sudan
Amerika: Kanada, USA
Aktuell: Seit Jahresbeginn 2018 wurden Auftritte der Seuche bei Tieren aus folgenden Ländern gemeldet (Stand: 15.03.2018): Bangladesh, Bhutan, Côte d'Ivoire, Indien, Kambodscha und Nigeria.
b) Verbreitungsgebiet beim Menschen:

Seit 2003 rief die Influenza A(H5N1) bei über 860 Personen Erkrankungen hervor, welche sich in den folgenden 15 verschiedenen Ländern ereigneten: Ägypten, Aserbaidschan, Bangladesch, China, Dschibuti, Indonesien, Irak, Kambodscha, Laos, Myanmar, Nigeria, Pakistan, Thailand, Türkei und Vietnam. Am stärksten seit 2003 betroffen waren die Nationen Ägypten, Indonesien und Vietnam, die die meisten Erkrankungs- und Todesfälle beim Menschen verzeichneten. Insgesamt ergeben sich seitdem für die verschiedenen Länder folgende Zahlen (Stand 27.09.2017):

Land Erkrankungen davon Todesfälle
Ägypten 359 120
Aserbaidschan 8 5
Bangladesh 8 1
China 53 31
Dschibuti 1 0
Indonesien 200 168
Irak 3 2
Kambodscha 56 37
Kanada (ex China) 1 1
Laos 2 2
Myanmar 1 0
Nigeria 1 1
Pakistan 3 1
Thailand 25 17
Türkei 12 4
Vietnam 127 64
Gesamt 860 454
 
Allgemeine Informationen: 

Die aviäre Influenza, umgangssprachlich auch als "Vogelgrippe" bezeichnet, zirkulierte bis Mitte der 90er Jahre im Wesentlichen bei Vögeln. 1997 kam es schließlich zu einem Seuchenausbruch mit der hochpathogenen Form der H5N1 bei Geflügel in Hongkong. Im Zuge dieses Ausbruchs infizierte die Influenza A(H5N1) erstmals auch Menschen. Waren bis 1997 lediglich leichte Krankheitserscheinungen mit lokalen Schleimhautreizungen von Konjunktiven und dem oberen Respirationstrakt aufgetreten, wurden nun auch systemische Infektionen mit schweren Verläufen beobachtet. Die Erkrankung äußerte sich dabei durch influenzaähnliche Symptome. Eine Reihe von Todesfällen trat auf. Seit Ende 2003 kam es zu einer Ausbreitung der Vogelgrippe durch die aviäre Influenza A(H5N1) zunächst in Ostasien und in späteren Jahren auch in Europa und Afrika sowie des niedrigpathogenen aviären Influenzavirus in den USA. In der letzten Zeit wurden die meisten Erkrankungs- und Todesfälle in den Ländern Indonesien, Ägypten und Vietnam verzeichnet.
 
Forschung:  

Erneut in den Fokus der Öffentlichkeit gelangte das Influenza A-Virus H5N1 außerdem am Jahresende 2011 im Zusammenhang mit der Veröffentlichung von Forschungsarbeiten an dem Erreger. Wissenschaftler hatten zum besseren Verständnis der Fähigkeit des Virus, eine Mensch-zu-Mensch-Übertragbarkeit zu entwickeln, dieses so verändert, dass es bei Versuchen an Frettchen hochinfektiös und tödlich gewesen sein soll. Die geplante Veröffentlichung dieser Forschungsergebnisse sorgte für entsprechendes Aufsehen, sodass die Wissenschaftler die Arbeiten zunächst für 60 Tage unterbrachen. Mitte Februar 2012 sprachen sich verschiedene Experten auf einem WHO-Symposium aber dennoch für die Publikation der Ergebnisse aus, da diese von wissenschaftlicher Relevanz seien.
 
Klinik:  

Die Infektion mit dem Virus erfolgt überwiegend durch direkten Kontakt mit infizierten lebenden oder toten Tieren, aber auch indirekte Übertragungen sind möglich. Ebenso kann eine Weitergabe des Virus von Mensch-zu-Mensch erfolgen. Dieser Übertragungsweg ist allerdings selten und Infektionsketten sind limitiert. Die Inkubationszeit bei der Vogelgrippe vom Subtyp H5N1 ist länger als bei der saisonalen Influenza. Im Durchschnitt dauert sie zwei bis acht Tage, maximal beträgt sie siebzehn Tage. Danach kommt es zu hohem Fieber und respiratorischen Krankheitssymptomen wie Husten und Dyspnoe. Rhinorrhoe, Hals- und Kopfschmerzen, Myalgien, Erbrechen und Diarrhoe können auftreten. Im Blutbild findet sich häufig eine Leuko-, Lympho- und Thrombozytopenie. Außerdem ist oftmals eine geringfügige Erhöhung der Aminotransferasen feststellbar. Später kommt es häufig zu einer Pneumonie, zu einer akuten respiratorischen Insuffizienz (ARDS) und schließlich zum Tod. Die meisten Krankheitsfälle betreffen Erwachsene unter 40 Jahren und Kinder. Ca. 60 % erliegen der Erkrankung.
 
Diagnose und Therapie: 

Die Diagnose erfolgt durch den Erregernachweis im Labor. Anschließend kann eine Behandlung mit sogenannten "Neuraminidasehemmern" wie zum Beispiel Oseltamivir (Tamiflu®) erfolgen. Diese haben sich besonders bei einem frühzeitigen Einsatz als therapeutisch wirksam erwiesen. In der Zwischenzeit wurde aber auch über eine Resistenzbildung der hochpathogenen aviären Influenza H5N1-Viren gegen Oseltamivir (Tamiflu®) berichtet. Zudem sollte eine symptomatische Therapie angestrebt werden. Die Anwendung von Neuraminidasehemmern als Chemoprophylaxe ist darüber hinaus nach Kontakt zu erkrankten Tieren möglich.
 
Falldefinition des RKI:  

Für das einheitliche Vorgehen bei humanen Erkrankungen mit Influenza A(H5N1) in Deutschland wurden vom Robert-Koch-Institut Falldefinitionen entwickelt. Genaue Informationen zu diesen Falldefinitionen bei Influenza A(H5N1) des RKI finden Sie hier:
http://www.rki.de
Aktuelle Pandemiephase:  

Um die Gefahr einer potenziellen Pandemie einschätzen zu können, besteht ein vierphasiges Alarmsystem der Weltgesundheitsorganisation (1. "interpandemic pha-se", 2. "alert phase", 3. "pandemic phase" und 4. "transition phase"). Derzeit wird die Situation der Influenza-A(H5N1) in die sogenannte "alert phase" eingeordnet. Dies bedeutet nach der Definition der WHO, dass ein "neuer" Subtyp im Menschen entdeckt wurde, dessen Vorkommen eine steigende Wachsamkeit und regelmäßige Beurteilung der Gefahr erfordert.
 
Pandemieplan:  
Für den Fall einer weltweiten Influenzapandemie wurden von der entsprechenden Expertengruppe der WHO auf internationaler und des Robert-Koch-Institutes auf nationaler Ebene Richtlinien bzw. Pläne für das Auftreten einer Pandemie entwickelt. Diese wurden auf den Internetseiten der WHO und des RKI veröffentlicht. Weitere Informationen finden Sie hier:

WHO:
http://www.who.int


RKI:
http://www.rki.de
 
Vorbeugung: 

Übertragungen von Vogelgrippeviren auf den Menschen resultieren zum überwiegenden Teil aus direktem Kontakt mit infizierten Tieren. Die Ansteckung erfolgt in der Regel aerogen oder als Schmierinfektion. Mensch-zu-Mensch-Übertragungen kommen ebenso vor. Möglich scheint auch eine Infektion durch Genuss von Geflügelfleisch, das nicht ausreichend gegart wurde, oder rohen Eiern. Meist werden die Erreger aber durch den Vorgang des Erhitzens abgetötet. Um Erkrankungen durch Vogelgrippe vorzubeugen, sollten folgende Maßnahmen besonders von Reisenden und (beruflich) gefährdeten Personen beachtet und diese daher in der (reise-)medizinischen Beratung thematisiert werden:

1. Expositionsprophylaxe:
  • Speziell in Gebieten mit grassierender Vogelgrippe sollten der Kontakt sowohl zu gesund erscheinenden als auch zu kranken oder toten Wildvögeln und Hausgeflügel sowie deren Ausscheidungen vermieden werden. Besuche auf Märkten und Farmen mit möglichen Berührungspunkten zu rohem Geflügel sollten ebenfalls unterlassen werden.
  • Bei der Zubereitung von Nahrungsmitteln wie beispielsweise Geflügelfleisch und Eiern sollte stets eine sorgfältige Händehygiene durchgeführt werden.
  • Derartige Speisen sollten außerdem immer ausreichend lange gegart werden.


2. Maßnahmen bei Exposition und Erkrankung:
  • Personen, die beispielsweise aufgrund ihres Berufes besonders gefährdet sind, sollten auf einen angemessenen Infektionsschutz achten. Nach erfolgter Exposition kann eine Chemoprophylaxe mit einem Neuraminidasehemmer durchgeführt werden.
  • Zwar kommen Mensch-zu-Mensch-Übertragungen nur selten vor, auf Kontakt zu Personen, die an Vogelgrippe erkrankt sind, sollte aber zur Sicherheit verzichtet werden.
  • Treten 14 Tage nach einem Kontakt zu einem krankheitsverdächtigen Tier in einem Infektionsgebiet Fieber und grippeähnliche Symptome auf, sollte unverzüglich ein Arzt konsultiert werden. Eine Therapie mit einem Oseltamivir oder Zanamivir kann dann frühzeitig erfolgen.


3. Impfung:
  • In den letzten Jahren wurden verschiedene Impfstoffe gegen die Influenza A(H5N1) in Deutschland vom Paul-Ehrlich-Institut zugelassen. Derzeit ist keiner der Impfstoffe auf dem Markt verfügbar. Als Indikation für die Applikation dieser Impfung wäre die Reise in Endemiegebiete und das Auftreten einer Pandemie, die im Rahmen einer Mutation durch den Subtyp A(H5N1) hervorgerufen wurde, zu nennen.
  • Die herkömmliche Grippeschutzimpfung ist im Gegensatz dazu nicht gegen die Influenza A(H5N1) wirksam. Sie ist aber dennoch besonders für Personen mit erhöhtem Gefährdungspotenzial sinnvoll, da sie Doppelinfektionen mit humanen und aviären Influenzaviren verhindern kann.


4. Importbeschränkungen und -verbote:
Um die Einschleppung von Krankheitserregern in die Europäische Union und damit auch nach Deutschland zu verhindern, gelten entsprechende Einfuhrverbote speziell für lebendes Geflügel bzw. Vögel sowie Geflügelfleisch und -produkte. Die Vogelgrippe kann aber neben Tieren und Lebensmitteln auch durch "unbehandelte Jagdtrophäen" wie beispielsweise Federn oder durch Futter in das Heimatland importiert werden. Beachten Sie bitte deshalb die Informationen des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz bzw. der zuständigen Behörden.
 
Reisebeschränkungen:  

Reisebeschränkungen bestehen derzeit nicht.
 
Quellen und weitere Informationen finden Sie hier:
 
Haftungsausschluss
Die vorstehenden Angaben stammen aus diversen Informationsquellen, vorrangig der WHO. Sie sind nach bestem Wissen zusammengestellt und sollen in erster Linie dem Arzt als Beratungsgrundlage dienen. Für die Richtigkeit der Angaben kann das CRM keine Verantwortung übernehmen. Für den Reisenden ersetzen sie keine ärztliche Beratung, die in jedem Fall vor einer Reise empfohlen wird. Das CRM haftet nicht für irgendwelche Gesundheitsschäden, die möglicherweise aus den obigen Informationen abgeleitet werden.
 
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