Stand: 18.01.2016
 
Vogelgrippe-Situation in den einzelnen Ländern

Ägypten: Ägypten steht seit Anfang letzten Jahres an erster Stelle (vor Indonesien) der H5N1-Fälle weltweit. Seit November 2014 sind die Infektionen stark gestiegen. Im vergangenen Jahr sind 147 Menschen erkrankt, es gab 41 Todesfälle. Der vorerst letzte Todesfall wurde Ende Juni 2015 im Gouvernement Assuan (S) registriert. Presseberichten zufolge sind Anfang Januar 7 Menschen in Hurghada am Roten Meer erkrankt, es gab einen Todesfall. Auch in Luxor werden 2 Menschen mit dem Verdacht einer Infektion in einer Klinik behandelt. Es werden verschiedene Ursachen für den Anstieg diskutiert. Die Zirkulation der Infektion in den Geflügelbeständen könnte zugenommen haben, außerdem scheint die Achtsamkeit in der Bevölkerung gesunken zu sein. Auch scheint die Zahl der kleineren, nicht staatlich kontrollierten Betriebe zugenommen zu haben. Eine Mutation des Virus wird inzwischen ausgeschlossen. Damit liegt die Anzahl der menschlichen Erkrankungen in Ägypten bei insgesamt 354, darunter sind 124 Todesfälle. Seit ihrem Erstauftritt im Februar 2006 sind der hochpathogenen Vogelgrippe durch Influenza A(H5N1) in Ägypten mehr als 34 Millionen Tiere zum Opfer gefallen.

China: Seit 2003 hat die hochpathogene Vogelgrippe durch Influenza A(H5N1) in diversen Landesteilen immer wieder zu örtlichen oder regionalen Ausbrüchen bei Wildvögeln und Nutztieren geführt. Mitte Januar wurde die erste Infektion in diesem Jahr bestätigt. Ein 42-jähriger Mann aus der Provinz Sichuan ist bereits Ende Dezember erkrankt und wird in einer Klinik behandelt. Etwa 60 Kontaktpersonen werden überwacht, bisher gab es keine weitere Erkrankung. In China wurden im vergangenen Jahr 20 menschliche Erkrankungen gemeldet, 2014 waren es insgesamt 18. Bei der Mehrzahl der Patienten konnte Kontakt zu Geflügel nachgewiesen werden. Experten erwarten eine Zunahme der Fälle in den nächsten Wochen. Zum chinesischen Neujahrsfest Anfang Februar verreisen viele Menschen, außerdem schlachten Familien das Geflügel für das Fest selbst. Seit Ende Dezember wurden 4 Erkrankungen durch Influenza A(H5N6) verzeichnet. Zwei Patienten sind inzwischen verstorben. Seit dem ersten Nachweis beim Menschen in 2014 wurden 8 Infektionen registriert, alle in China. Bei Geflügel wurde das Virus bisher in China, Laos und Vietnam gefunden. Im Dezember sind 4 Kinder an einer Infektion mit Influenza A(H9N2) erkrankt. Ein Fall wurde in der Provinz Anhui (O) registriert, die anderen 3 stammen aus der Provinz Hunan (SO). Im März 2013 wurde erstmals ein Fall von Influenza A(H7N9) beim Menschen registriert. Seitdem kam es offiziell zu etwa 710 Erkrankungen mit insgesamt mindestens 274 Todesfällen. Seit Herbst 2015 wurden 23 Infektionen registriert, mindestens 3 Menschen sind verstorben. Die Infektion tritt saisonal in Wellen auf, die meisten Infektionen werden im Herbst und Winter registriert. Ursprünglich waren ausschließlich der Osten und Südosten betroffen, auch die Infektionen in Hongkong und Taiwan wurden in diesen Regionen erworben. Die meisten Fälle traten in den Provinzen Guangdong und Zhejiang auf. Inzwischen hat sich die Infektion auch auf weitere Provinzen ausgeweitet. Betroffen sind Fujian im Süden, Jiangsu, Jiangxi, Shandong im Osten und die Region Xinjiang im Nordwesten des Landes. Dieser Subtyp wurde zuvor noch nicht beim Menschen nachgewiesen, das Potenzial einer Übertragung von Mensch zu Mensch ist nach aktuellem Kenntnisstand höher als bei anderen bekannten Vogelgrippeviren.

Frankreich: Nach einer Pause von 8 Jahren wurde Ende November letzten Jahres ein Ausbruch von Influenza A(H5N1) auf einem Geflügelhof im Département Dordogne im Südwesten des Landes registriert. In 4 weiteren Départements der Region wurden erstmals in Frankreich auch Fälle von Influenza A(H5N2) und Influenza A(H5N9) verzeichnet. Insgesamt wurden seit Ende November 69 Ausbrüche verzeichnet. Keiner der Virusstämme stellt ein Infektionsrisiko für den Menschen dar.

Ghana: Erstmals seit 2007 wurde im Juni vergangenen Jahres ein Ausbruch von Influenza A(H5N1) registriert. Bis Ende August wurden 23 Ausbrüche registriert. Nach einer mehrwöchigen Pause wurden seit Anfang Oktober erneut Infektionen auf mindestens 3 Farmen im Westen des Landes gemeldet. Seit Ende November wurden 5 Ausbrüche in der Region Greater Accra verzeichnet. Insgesamt sind mehrere Zehntausend Hühner und Enten betroffen. Menschliche Infektionen wurden bisher nicht gemeldet.

Indonesien: Ende März letzten Jahres sind in der Provinz Banten im Westen der Insel Java ein Vater und sein Sohn verstorben, es sind die ersten Erkrankungen seit Oktober 2014. Laut WHO wurden 2014 insgesamt 2 und 2013 3 Erkrankungen registriert, alle Patienten sind verstorben. Seit ihrem Erstauftritt im November 2003 hat sich die hochpathogene Vogelgrippe durch Influenza A(H5N1) landesweit ausgebreitet und ist aufgrund der Infrastruktur des Inselstaates schwer zu kontrollieren. Mehr als 10 Millionen Geflügeltiere sind ihr zum Opfer gefallen. Seit 2003 sind 199 menschliche Vogelgrippe-Erkrankungen aufgetreten, 167 Personen sind daran verstorben. Seit Anfang des vergangenen Jahres steht Indonesien an zweiter Stelle der weltweiten H5N1-Fälle hinter Ägypten. Mit einer Letalität von über 80% führt das Land aber weiterhin die Liste der betroffenen Gebiete an. Die meisten Fälle stammen aus Java, einige aus Sumatra, einzelne aus Süd-Sulawesi und Bali. Fast alle Betroffenen hatten unmittelbare Kontakte zu kranken oder verendeten Tieren. Kontakte mit lebendem Geflügel oder kranken Menschen sollten von Reisenden weiterhin gemieden, Hygiene beachtet werden.

Kambodscha: Mitte November wurde in den benachbarten Provinzen Battambang (W) und Siem Reap (NW) je ein Ausbruch von Influenza A(H5N1) mit insgesamt etwa 2.500 betroffenen Tieren gemeldet. Die letzten Ausbrüche wurden im Februar 2014 auf Farmen im Süden des Landes beobachtet. Im vergangenen Jahr sind 9 Menschen erkrankt, drei Kinder sind verstorben. Seit 2003 gab es in Kambodscha 56 menschliche Erkrankungen, darunter 38 Todesfälle. Alle betroffenen Menschen hatten direkten Kontakt zu erkrankten oder toten Tieren (Geflügel). Eine Mensch-zu-Mensch-Infektion wurde nicht registriert. Kontakt zu lebendem oder frisch geschlachtetem Geflügel sollte vermieden werden.

Nigeria: Erstmals seit 2008 wurde Anfang Januar 2015 auf 2 Geflügelfarmen und Geflügelmärkten in den Bundesstaaten Kano und Lagos Influenza A(H5N1) registriert. Inzwischen hat sich die Erkrankung auf mindestens 18 Bundesstaaten ausgedehnt. Im Januar dieses Jahres gab es erneut 11 Ausbrüche in 6 Bundesstaaten: Kano, Federal Capital Territory, Nasarawa, Plateau, Enugu und Edo. Menschen sind bisher nicht erkrankt. Im Januar 2006 wurde die Infektion erstmals in Nigeria nachgewiesen, danach kam es zu mehreren Ausbrüchen in verschiedenen Bundesstaaten. Im Januar 2007 verstarb eine junge Frau aus Lagos an der Tierseuche.

Vietnam: Seit 2003 sind landesweit insgesamt 127 Menschen an Influenza A(H5N1) erkrankt, es gab 64 Todesfälle. Bei allen Betroffenen ließen sich entsprechende Tierkontakte nachweisen. 2014 wurden landesweit mindestens 40 Ausbrüche bei Hausgeflügel registriert, mehr als 90.000 Tiere wurden getötet. Im vergangenen Jahr gab es zahlreiche Ausbrüche, zuletzt Mitte November im Norden und Mitte Dezember im Süden des Landes. Insgesamt sind mehr als 16.000 Tiere verendet oder wurden getötet. Seit Dezember 2014 wurden mindestens 10 Vorfälle dieser Art registriert. Die Impfung von Geflügel ist im Land weit verbreitet. Medienberichten zufolge verliert der am häufigsten verwendete Impfstoff durch eine Mutation des Virus jetzt an Wirksamkeit. Zwischen April und Oktober 2014 wurden 7 Ausbrüche von Influenza A(H5N6) in Geflügelbetrieben gemeldet. Im vergangenen Jahr wurden ebenfalls mindestens 10 Ausbrüche in verschiedenen Regionen gemeldet. Im Januar wurden 4 Ausbrüche verzeichnet, betroffen sind die Provinz Tuyen Quang (N) und die benachbarten Provinzen Quang Ngai und Kon Tum. Insgesamt sind mehrere tausend Tiere verendet oder wurden getötet. Außer in Vietnam wurde der Erreger bei Geflügel bisher in China und Laos nachgewiesen. Menschliche Erkrankungen gab es bisher ausschließlich in China.
 
 
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